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Schnelle Entscheidungen

Wenn es um das Thema Zeit- und Aufwandsparen geht, können wir auch unsere Fähigkeit zum Entscheiden trainieren.

Oft ist es so, dass selbst kleine Alltagsentscheidungen unnötig verkompliziert werden und Sie dadurch viel Zeit und Aufwand investieren. Beides lohnt sich häufig gar nicht.

Entscheidungshemmung

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crossroads von boris_licina bei Flickr

Das kann schon morgens in der Kantine beginnen. Nehmen wir nun das Brötchen mit Lochkäse oder Gouda oder lieber ein Wurstbrötchen. Sind wir mal ehrlich: In keiner Kantine gibt es 3-Sterne-Essen und jedes Brötchen dort ist ein Kompromiss. Es spielt keine Rolle, ob Sie die Wurst heute oder morgen kaufen. Entscheiden Sie doch einfach mal spontan.

Ein anderes Beispiel ist die „Investition“ in eine DVD vom Wühltisch. Es geht um Beträge von 5 bis 10 EUR. Wir nehmen die DVD in die Hand, lesen die Rückseite. Legen Sie wieder weg. Gehen ggf. ein paar Meter hin und her – oder verschieben womöglich den Kauf auf die Zeit, wenn wir später am Tag wieder zurückkehren. Nägel mit Köpfen machen: Kaufen oder Liegenlassen. Ein Fehlkauf kann wieder (gebraucht) verkauft werden. Und wenn Sie ganz viel Sorge habe, dass Sie den 5 EUR hinterher weinen, dann bestellen Sie den Film in einem Onlineshop und schicken ihn dort bei Nichtgefallen wieder zurück.

Es gibt aber auch deutlich komplexere Situationen, wo zu langes Nachdenken in keinem Verhältnis zum verbesserten Ergebnis steht. Manchmal ist das Ergebnis sogar schlechter. Wenn wir es gewohnt sind auch über unsere eigenen Äußerungen und Handlungen über Gebühr zu reflektieren, fressen wir unter Umständen Ärger und Frust in uns hinein. Irgendwann bricht der sowieso wieder aus – und dann womöglich gebündelt und zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das kann u.a. auch daran liegen, dass Sie Entscheidungen zu lange aufschieben. Ich sag es mal ganz schlicht: Es ist völlig in Ordnung, wenn Sie einer Person umgehend Ihre Meinung sagen (wenn die Person das nicht so sieht ist das zunächst einmal nicht Ihr Problem: Wer austeilt muss auch einstecken können). Sie müssen nicht erst 500 Argumente mit sich austauschen.

Gute langwierige Entscheidungsprozesse

Bei großen Investitionen oder Entscheidungen mit großer langfristiger Auswirkung finde ich intensives Nachdenken und den Austausch von Pro- und Contraargumenten absolut nötig:

  • Natürlich werden mir jetzt viele Widersprechen, aber auch Beziehungsentscheidungen sollten wir nicht immer nur aus dem Bauch heraus treffen.
  • Selbstverständlich kaufen Sie auch kein Haus, an dem Sie gerade vorbeigefahren sind und spontan denken „das ist schön“.
  • Sie schaffen sich kein Haustier an, weil es Ihnen gerade so durch den Kopf geht.

Fehler gehören dazu

Zu einer schnellen Entscheidungsfähigkeit gehört selbstverständlich auch, dass Sie Fehler machen. Vielleicht sogar ein paar mehr als wenn Sie vorher stundenlang gegrübelt hätten; obwohl das erst einmal zu zeigen wäre. Aber Fehler machen wir immer. Und das ist völlig in Ordnung so. Kalkulieren Sie ein, dass eine Entscheidung auch falsch ist und versuchen Sie mit dem Ergebnis später umzugehen. Das heißt nicht unbedingt „durchziehen“ – das kann auch „zurücknehmen“ heißen. Vergessen Sie einfach, dass viele glauben, dass man alles zu Ende bringen muss, was man begonnen hat. Das ist so pauschal schlicht Unsinn (sowohl zwischenmenschlich als auch wirtschaftlich als auch psychisch).

Fazit

Allgemein lässt sich sicher sagen, dass zu langes Nachdenken vor allem über Banalitäten unterm Strich Zeit- und Aufwand verschwendet, den Sie viel nützlicher in andere Dinge investieren können.

Würden Sie das auch so sehen? Oder ganz anders? Welche Gefahren sehen Sie, wenn Entscheidungen schnell getroffen werden?

4 Kommentare

  • „Fehler gehören dazu“ habe ich mir auch früher gedacht. Ein paar fehler zu machen ist schließlich nicht schlimm. Wichtig ist nur, dass man es nicht zur Gewohnheit macht.
    Allerdings seit dem ich den Vortrag von Tim Harford (Bei Ted Talks) gesehen habe, bin ich fester Überzeugung (geworden) dass die Fehler nicht nur dazu gehören, also dass man sie erlauben soll falls sie vorkommen, sondern dass sie ein unerlässlicher Teil einer guten Entscheidung sein sollen.
    Er hat im Vortrag die Theorie der Entscheidung anhand von Natur abgeleitet. Die Natur macht nichts anderes als durch Versuch und Irrtum die besten möglichnen Lösungen zu finden.
    Kurzum: Wer ein problem hat und entscheiden muss, und eine gute Lösung braucht kann das auf folgendem Wege garantiert erreichen:
    10 Varianten einer Lösung entwickeln und alle überprüfen, die beste Vatiante kommt in die nächste Etape.
    10 Vatianten von der Lösung aus der vorherigen Etape entwickeln und alle prüfen. Die beste gewinnt und kommt weiter.
    10 Varianten …. Und so weiter und so weiter.
    Diese Methode zeichnen zwei Sachen aus:
    1. Sie BASIERT auf Fehlern!
    2. Sie führt zur Lösung eines Problems, dessen Lösung vorher unmögloich schien.

    • Klingt nach einer interessanten Methode, danke für die kurze Beschreibung! Klingt schwer danach, dass das „Überprüfen“ der jeweils 10 Varianten pro Schritt zwar offensichtlich notwendig ist, aber dennoch erheblich Zeit und Arbeit bedeutet. Kommt das hin? Und ehrlich gesagt sehe ich nicht, wo die Methode auf Fehlern basiert. Vermutlich meinen Sie damit, dass 9 der 10 Varianten „fehlerhaft“ im Sinne von „nicht optimal“ sind?

  • Ich gebe es zu, mein Kommentar passt eher oder besser gesagt nur für große Projekte / Probleme. Für schnelle Entscheidungen ist er nicht geeignet. Der Vortrag allerdings hat mich fasziniert und meine Einsicht bezüglich den Fehlern um 180 Grad umgedreht.
    Ich habe mir erlaubt das Video auszusuchen (selbst schaue ich die Ted Talks über ein iTunes Abo) und hier den link zu posten. http://www.ted.com/talks/lang/eng/tim_harford.html

    Stimmt: nach dieser Ansicht werden 9 von 10 Versuchen als nicht gut genug und damit als ungeeinget / fehlerhaft eingestufft. Das ist natürlich aus prolematisch. Allerdings so kommt man GARANTIERT zu einem Guten Ergebnis.

    In dem Vortrag ist ein Unilever-Beispiel dargestellt worden, wo das Unternehmen nach einem geeigneten Röhrchen gesucht hat. Dieses Röhrchen müsste bestimmte „Architektur aufweisen“ damit sie wie gewünscht funktioniert. Nach 45 Durchläufen (also 45 mal wurden 10 Varianten erstellt) hat Unilever einen funktionierenden Trichter gebaut. Die könnten aber selbst nicht erklären wieso er funktionierte.

    Ich bin mal gespannt was sie von dem Vortrag halten.

    • Ich habe mir gerade das Video „Tim Harford: Trial, error and the God complex“ angesehen/-gehört. Er hat eine sehr angenehme Art zu sprechen und inhaltlich ist es recht überraschend und gut nachvollziehbar. Man sollte allerdings sehr gut Englisch verstehen.

      Danke für die interessante Empfehlung! Den Podcast gibt es hier zum kostenlosen abonnieren: http://www.bbc.co.uk/podcasts/series/moreorless

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