Mit Enttäuschungen besser umgehen

Wir können in vielen Momenten das Gefühl der Enttäuschung haben:

Beim Autofahren, wenn die anderen Teilnehmer sich nicht so verhalten, wie wir das gerne hätten, in Beziehungen, wenn sich eine andere Person nicht so verhält, wie wir das angenommen haben, bei der Umsetzung von Projekten, wenn wir gegen unvorhergesehene Widerstände stoßen, usw.

Bis zu einem gewissen Maß können wir mit dieser Enttäuschung umgehen. Aber meistens viel zu wenig als für uns gut wäre – und für unsere Zeit- und Aufmerksamkeitsbudget.

Definition

Fachlich korrekt wird die Fähigkeit, mit Enttäuschungen umgehen zu können, als Frustrationstoleranz bezeichnet.

Frustrationstoleranz heute

Wir gehen heute häufig davon aus, dass die meisten Dinge, die wir tun müssen, „leicht“ zu erledigen sind. Dass es keine großen Widerstände gibt. Sobald Widerstände ins Spiel kommen, driften wir sehr bald in Ärger und (verbale) Aggression ab. Wir haben unsere Frustrationstoleranz überschritten.

Hätten Sie es beispielsweise geschafft, wie Edison (mein Lieblingsbeispiel in diesem Kontext, weil ich vor seiner Leistung erheblichen Respekt habe), 10.000 Fehlschläge beim Erreichen immer desselben Ziels (der Glühlampe) wegzustecken? Oder wären Sie – wie ich – nach 10 oder 15 schiefgelaufenen Experimenten schon einigermaßen genervt gewesen?

Jeder Mensch hat eine andere „Schwelle“ ab der es zu diesem wenig gewinnbringenden Absturz kommt. Aber jeder Mensch kann diese Schwelle zu einem gewissen Teil selbst trainieren – die Schwelle hängt nämlich überwiegend von unserer inneren Einstellung ab.

Frustrationstoleranz trainieren

Kennen Sie das? An der Kasse im Supermarkt das quängelnde Kind vor Ihnen, weil es keine Süßigkeiten bekommen hat? Klassischer (und auch je nach Alter völlig normaler) Fall von geringer Frustrationstoleranz.

Nur… sind wir mal ehrlich… genau dieses Verhalten gibt es bei Erwachsenen doch auch! Nur reißen wir uns normalerweise etwas zusammen und stehen nicht heulend an der Kasse – sondern hupen, brüllen, schimpfen, verfluchen die unfaire Welt (… manchmal sind wir doch mehr wie Kinder als wir selbst annehmen).

Eine Möglichkeit Ihre eigene Toleranz zu trainieren, besteht darin, dass Sie Enttäuschungen akzeptieren und aus Ihnen lernen. Denken Sie nicht „immer nur ich“ – denken Sie „was ist passiert, dass das Ergebnis jetzt so ist?“. Versuchen Sie konstruktiver mit der Situation umzugehen.

Wenn eine Beziehung scheitert, Sie einen begehrten Job nicht bekommen – versuchen Sie nicht die Welt verantwortlich zu machen, sondern fragen Sie sich, was Sie daraus lernen können. Beispielsweise was Sie als Partner zum Scheitern der Beziehung beigetragen haben – oder welche Fähigkeit Sie noch erlernen sollten.

Etwas einfacher ausgedrückt: Die Umstände und Erfahrungen können wir uns nicht immer aussuchen – aber den Umgang damit sehr wohl.

Vorteil einer hohen Frustrationstoleranz

Bei einer hohen Toleranz gegenüber Enttäuschungen sparen wir uns die Energie, die Welt und uns zu zerfleischen. Denn es hilft uns kein Stück weiter, schmollend in der Ecke zu sitzen oder andere Menschen dafür verantwortlich zu machen, wie wir mit einer Situation umgehen. Das kostet nur emotionale Kraft und Aufmerksamkeit für die Dinge, die wir viel lieber tun würden: unsere Ziele erreichen.

Das emotionale „auf dem Boden stampfen“ verbraucht schlussendlich auch Zeit. Zeit, die wir sinnvoll investieren würden, wenn wir uns mit den Ursachen der Enttäuschungen beschäftigen könnten. Aber wenn wir das nicht können (aus welchen Gründen auch immer), verschwenden wir unsere Zeit einfach mit Nichts, was uns in irgendeiner Weise weiterbringen würde.

Akzeptieren wir, dass wir Enttäuschungen erleben – und gehen wir aktiv mit den gemachten Erfahrungen um.

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