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Kleine Anti-Stress-Tipps

Nachfolgend ein paar schnelle und radikale Tipps, wie Sie ohne große Vorarbeiten und Anstrengung in Ihrem Alltag einiges an Stress abbauen können.

Wenn Sie Zweifel haben, dass die Vorschläge ein wenig unreflektiert und radikal sind – da mag was dran sein. Probieren Sie trotzdem welche davon aus 😉

Seien Sie nicht ständig in Bereitschaft

Mobile Phone

Mobile Phone von Dominik Syka bei Flickr

Die schlimmste Erfindung der Neuzeit was die Auswirkung auf Ihren Stresspegel angeht ist sicher das (Mobil-)Telefon und der Blackberry bzw. das Smartphone.

Wie häufig wurden Sie schon in einem interessanten Gedanken unterbrochen und haben ihn anschließend nicht mehr gefunden? Wie oft erwartet man zwischenzeitlich eine Reaktionszeit von wenigen Stunden auf eine Mail, die Sie unterwegs lesen könn(t)en? Wie häufig klingelt es genau dann, wenn Sie eigentlich gerade beschäftigt sind?

Ganz banale Abhilfe und konsequent durchgeführt funktioniert es hervorragend:

  • Telefon nicht abnehmen, wenn es außerhalb der gewünschten Zeiten ist. Die Anrufer sollen die Mailbox nutzen und wer diese nicht nutzen möchte kann nichts Wichtiges von Ihnen wollen (perfekter Filter für Callcenter-Angebote).
  • Nicht ans Telefon gehen, wenn Sie gerade etwas anderes tun. Ja das überleben Sie. Und niemand muss Sie beim Abendessen sprechen oder wenn Sie gerade Ihre Frau damit „beeindrucken“, wie toll 19 Zoll Felgen am Auto aussehen würden.
  • Auf „lautlos“ stellen, wenn Sie Ruhe haben möchten. Sie brauchen kein Rechtfertigungsschreiben aufsetzen, es reicht, wenn Sie sich einfach denken „ich hätte jetzt gerne mal Ruhe“.

Es gibt Firmen, wo „Telefon“ als kurzer Dienstweg gilt. Dabei unterbricht ein Telefon viel schlimmer als eine Mail und ist nur für den Anrufenden eine Erleichterung (ziemlich arrogant vom Anrufer, dass er Ihre Bedürfnisse ignoriert, finden Sie nicht?):

  • Ignorieren Sie diese Regel bitte und erziehen Sie die Mitarbeiter, mit denen Sie arbeiten, entsprechend. Jeder Beteiligte wird die Vorteile erkennen und nicht jede „interne Regelung“ ist so wichtig, dass man für den Bruch dieser Regel entlassen wird.

Verzichten Sie zum Ausgleich eben auf eine übertrieben förmliche Mail, es reicht auch mal nur der Betreff oder eine Frage/Info ohne „Sehr geehrter Herr von und zu Schlagmichtot geboren Hierundda“-Form.

Mailsucht

Somebody help me

Somebody help me von Bobbie bei Flickr

Vermutlich sind Sie auch so. Sie schauen alle paar Minuten nach, ob Sie Mails bekommen haben. Oder Ihr Outlook piept ständig. Oder Sie bekommen andauernd eine Anzeige „5 neue Mails eingetroffen“ eingeblendet.

Sie haben durch diese Benachrichtigungen vermutlich mehr als einmal den Faden verloren oder fühlten sich unter Druck gesetzt. Also sind Sie nett zu sich selbst:

  • Outlook schließen und nur ab und zu starten und alle Mails im Posteingang sofort bearbeiten (das bedeutet nicht beantworten – aber dazu finden Sie hier im Blog viele Hinweise). Oft reicht drei Mal am Tag. Privat reicht meistens nur einmal irgendwann am späten Nachmittag.
  • Benachrichtigungen abschalten. So lange der Zeitpunkt zur Bearbeitung nicht gekommen ist, brauchen Sie auch nicht wissen, ob etwas eingetroffen ist. Wofür auch? Schalten Sie sämtliches Bimmeln, Vibrieren und Meldungsfensterhochpoppen ab.
  • Wenn Sie selbst gerne unterbrochen werden, weil Sie chronisch gelangweilt sind, dann möchte ich Ihnen zum einen dringend raten eine andere Aufgabe zu suchen und zum anderen sagen, dass Sie diesen Tipp gerne ignorieren dürfen.

Türen sind auch zum Schließen da

BEHIND WHICH DOOR, WILL YOU FIND ONE BILLION DOLLAR, OR A BAG OR RICE??

BEHIND WHICH DOOR, WILL YOU FIND ONE BILLION DOLLAR, OR A BAG OR RICE?? von marc falardeau bei Flickr

Bürotüren, Haustüren und andere Türen können Sie auch schließen. Das hat gute Gründe und hat nicht nur mit Durchzug oder Klimabedingungen zu tun. Sie dürfen damit Störungen draußen halten.

  • Türklingeln bedeuten nicht übersetzt „ich habe Anspruch auf deine Aufmerksamkeit“. Niemand zwingt einen die Tür zu öffnen, nur Sie selbst. Kein Besucher ist so wichtig, dass er nicht auch mal ab und zu vergeblich klingeln darf. Wenn doch (Steuerfahndung, Polizei, Schwiegermutter) werden sich die Beteiligen anderweitig äußern (Rammbock, Warnschüsse, Gekreische). Der Paketbote überlebt es auch, wenn er mal vergeblich einen Karton zur Tür gewuchtet hat. Sie entscheiden immer noch, wann und was Sie in Ihr Leben lassen.
  • Eine geschlossene Tür sollte bei einem Besucher einen Klopf-Reflex auslösen. Wenn das nicht funktioniert, hängen Sie noch zusätzlich ein Schild an die Tür „Bitte nicht stören“. Das funktioniert sogar dann, wenn Sie nicht der Vorstandsvorsitzende sind.

Eine verbreitete Unart in vielen Unternehmen sind Glastüren oder „offene Tür“-Parolen. Davon verspricht man sich eine bessere Kommunikation, transparente Entscheidungsprozesse und eine höhere Akzeptanz aller. Ich denke wir alle wissen, dass man sich damit etwas vormacht: Keine Entscheidung wird tragfähiger, nur weil die Tür offen ist. Kein zwischenmenschlicher Konflikt wird gelöst, weil man seine Bürotür aus Glas hat. Und kein Chef hat ein Kumpelimage (was immer ein Chef damit anfangen will), nur weil seine Tür offen ist.

Dafür bekommen alle Beteiligten kostenlos mehr Stress und größeres Konfliktpotential („guck mal, der hat schon wieder die Füße hoch gelegt“). In so einem Fall können Sie es trotzdem mit einem Schild probieren, die Tür zutapezieren verbietet sich meistens.

Menschen zur Pünktlichkeit erziehen

stopwatch von julianlimjl bei Flickr

stopwatch von julianlimjl bei Flickr

Sie kennen das. Sie haben einen Termin vereinbart und sitzen dann im Besprechungsraum und erst nach 20min trödelt Ihr Termin ein mit einer Ausrede wie „Stau“ oder „Sorry hab viel zu tun“. Als ob Sie den ganzen Tag nur herumsitzen würden. Der fehlende Respekt Anderen gegenüber ist manchmal erstaunlich offensichtlich.

Also, bringen Sie die anderen dazu demnächst zu deren eigenen Zusagen zu stehen, oder, wenn Ihnen dieser Blick lieber ist, hören Sie auf, Ihre eigene Zeit zu verschwenden:

  • Auf Termine bestehen. Wenn Sie länger als 15min warten müssen, gehen Sie einfach. Egal wer, egal wo, egal wegen was. Und seien Sie nicht verärgert deshalb. Sie kennen die Ursache des Zuspätkommens nicht und unterstellen den anderen Teilnehmern auch nichts. Aber Sie ziehen Ihre Planung durch. Die anderen Teilnehmer sollten Ihr Verhalten sogar positiv finden. Denn Sie zeigen damit „ich bin zuverlässig und weiß was ich will“. Es ist ein gern gespieltes Machtspielchen, wer zu einem Termin pünktlich kommt und wer die Freiheit hat, Zeiten anders auszulegen. Spielen Sie dieses alberne Spiel nicht mit.
  • Keine Terminvereinbarungen wie „am Nachmittag“ akzeptieren. Eine genaue Uhrzeit festlegen. Das gilt auch für Ihre Kunden. Sie dürfen nämlich eine Uhrzeit auch ganz freundlich vorschlagen und im Zweifel auch erklären, dass Sie auch andere Kunden haben. Wichtig ist, dass keiner von beiden „schwammige“ Terminvereinbarungen mehr vornehmen kann.
  • Wenn Sie absehen können, dass Sie nicht pünktlich zu einem Termin erscheinen werden, bspw. weil Sie versäumt haben den Verkehr zu berücksichtigen, rufen Sie einen anderen Teilnehmer umgehend an. Das können Sie fast immer schon eine Stunde oder länger vorher absehen und tun.

Mir ist klar, dass Pünktlichkeit heute kaum noch eine Tugend ist oder jedenfalls langsam nachlässt. Viele denken „völlig entspannt“ und „in sich ruhend“ und „kein Stress“ bedeutet gleichzeitig „unzuverlässig“, „unpünktlich“ und „nach mir die Sintflut“. Aber auch Chaoten können sich an Absprachen halten, auch Uhren-Allergiker können einen Termin einhalten.

Wenn alle Stricke reißen und Ihr Gegenüber ständig die Termine nicht einhält, sprechen Sie das Thema offen an. Wenn es sich immer noch nicht bessert, vereinbaren Sie keine Termine mehr mit Hinweis darauf, dass der andere unzuverlässig ist. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, notieren Sie die Startzeit in Ihrer Planung immer um 15 oder 30min verspätet. Oder drehen Sie den Spieß um: Lassen Sie sich viel Zeit und nehmen Sie sich was zu lesen mit, falls der andere Teilnehmer meine Tipps auch liest 😉

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Menschen in Ihrem Umfeld sehr schnell daran gewöhnen, die Vereinbarungen mit Ihnen vollständig einzuhalten oder sich wenigstens anständig zu benehmen und anrufen, wenn sie sich verspäten werden.

„Nein“-Sagen

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No! von mslavick bei Flickr

Ok. Den Tipp kennen Sie schon, lesen Sie in jedem zweiten Artikel. Aber davon wird der Tipp nicht weniger wahr. Das A und O eines guten Stressmanagements ist, wenn Sie lernen schuldgefühlfreie und ernst gemeinte „Neins“ auszusprechen.

Wenn Ihr „Nein“ immer zuverlässig und ernst gemeint ist, wird Ihr Gegenüber auch Ihr „Ja“ zu schätzen wissen. Ein „Nein“, das mit genug Redefluss und Mitleidstour in ein „Na gut, Ja…“ umgemünzt werden kann, ist nichts wert. Genauso wie dann das „Ja“ derselben Person, denn es wird angenommen, dass dieses „Ja“ mit genug Geduld in eine „Nein“ umgewandelt werden kann.

Seien Sie ein zuverlässiger und konsequenter Mitmensch. Sagen Sie „Nein“, wenn Sie das auch meinen.

  • Wenn Sie aus welchem Grund auch immer etwas nicht tun wollen, sagen Sie „Nein“. Oft brauchen Sie noch nicht einmal eine Begründung nachreichen. Ihr Gegenüber hat doch eine Antwort bekommen. Übrigens spielt die Art der Gründe auch keine Rolle: Ob es nun fehlende Lust, andere Prioritäten oder einfach ein Jucken am Ellebogen ist – Sie haben das Recht (und die Pflicht) „Nein“ zu sagen, wenn Sie „Nein“ meinen.

Mehr?

Das sind natürlich nur ein paar Quick’n’Dirty Tipps gewesen. Keine große Erklärung, keine politisch eigentlich korrekt formulierten Weichspühlfloskeln wie „überwiegend“, „manchmal“, „es gibt auch voll andere Situationen“. Eben kurz & bündig.

Kennen Sie auch ein paar ähnliche Schnellschüsse?

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