Rücksichtslose Menschen

Immer wieder erleben wir Menschen, deren Verhalten uns äußerst ärgerlich stimmt.

Beispiele

Showing respect (RIP Ku, Sept 19, 2008)Wir alle kennen solche Menschen und Situationen:

  • Gestern in der Bahn. Mir gegenüber sitzen zwei Herren. Einer der Herren – mein unmittelbares Gegenüber – leidet unter Bewegungsnotstand. Jedenfalls klopft er auf dem Fensterbrett herum, dreht sich hin, dreht sich her, stützt sich auf dem Tisch auf, schlägt die Zeitung lautstark auseinander und zehn Sekunden später wieder zusammen, haut dabei seinem Nebensitzer mehr als nur einmal den Ellebogen ins Gesicht (der das wiederum mit einem „Hallo? Ich sitze auch noch hier“ quittiert und jedes Mal ein „Schulligung“ bekommt) und so weiter.
  • Oder vor einigen Jahren. Ein Bekannter von mir, der praktisch immer mit offenem Mund voller Hochgenuss Äpfel zermahlen hat. Damit meine ich nicht „gegessen“ sondern wirklich Scheibe für Scheibe mit den Zähnen abgeschält hat. So laut, dass ich manchmal sogar den Raum verlassen musste, um ihn nicht ziemlich schroff anzufahren.
  • Ein weiteres Beispiel, welches sicher nicht alle lesen möchten. Kinder völlig überforderter oder unfähiger Eltern. Hüpfen den ganzen Tag schreiend auf dem Trampolin – von 10 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends. Ohne wahrnehmbare Pause und in einer Lautstärke, wo praktisch alle unmittelbaren Nachbarn kein eigenes Wort mehr verstehen. Auch mehrfaches Ansprechen führt zu keiner Besserung.
  • Eigentlich wollte ich das Paradebeispiel Autobahn beiseite lassen, aber daran führt offenbar einfach kein Weg vorbei. Den täglichen Kampf der Hormone, Rechthabergene, Hobbypädagogen und Soziopathen kennen alle Autofahrer. Selbst wenn man dieses Spiel nicht mitspielt, nach wenigen Kilometern spätestens ist man in irgendeiner Weise Opfer geworden. Und sei es nur, weil man nach Ansicht eines selbsternannten Regelpfostens gefühlte 5 Sekunden zu lang auf der mittleren Überholspur verweilt ist und selbstredend mit gut gemeinter erzieherischer Absicht mit 50cm Abstand geschnitten wird.
    Übrigens ist mir gerade vor ein paar Wochen ein Rentner im besten Alter so massiv aufgefahren, dass ich die weißen Knöchel der Hände am Lenkrad sehen konnte. Inklusive der Marke seiner Sonnenbrille. Leider schlafen unsere offiziellen Ordnungswächter immer genau dann den Schlaf des Gerechten… aber sei es drum 🙂

Allen diesen Menschen gemeinsam ist, dass sie nur sich selbst im Auge haben. Alle anderen sind egal oder werden zumindest nicht weiter berücksichtigt. Selbst wenn die anderen sich in Erinnerung rufen ändert sich die Sichtweise nicht.

Ursachenforschung?

Ich will keine umfangreiche Studie anstellen warum diese Menschen so sind. Es ist mir unterm Strich aus zwei Gründen ziemlich egal:

  1. Andere Menschen sind außerhalb meines Einflussbereiches und ich habe keine sinnvolle Möglichkeit deren Verhalten zu ändern oder zu erklären.
  2. Mich interessiert primär wie ich damit umgehen kann und wie ich weniger unter diesen Menschen leide.

Ausweg bzw. Trick 17

Das einzige, was wir in jeder Situation immer kontrollieren können, ist, wie wir selbst eine Situation sehen, beurteilen und erleben. Und das ist auch sehr erfreulich so, denn mit diesem Wissen können wir viele Situationen für uns sehr verbessern.

  • Der Herr mit dem Ellebogen im Gesicht hätte beispielsweise einfach seinen Platz wechseln können (was in diesem Fall sogar möglich gewesen wäre). Beim Lesen denken Sie vielleicht „aber wieso denn, er hat doch auch Rechte“. Natürlich hat er sie – aber welchen Preis zahlt er, wenn er seine Rechte durchsetzen will? 20min Diskussion mit einem uneinsichtigen Menschen? Beschwerdebriefe an die Bahn? Zitieren des Schaffners, der ebenfalls nichts tun kann? Rufen der Polizei? Stundenlanges Meckern über diese Situation und womöglich sogar Frust im Verlauf des Feierabends?
  • Meinem Bekannten bin ich in der Tat aus dem Weg gegangen, wenn dieser Gegessen hat. Wenn es mal zu bunt wurde und ich nicht ausweichen konnte, habe ich ihn nett gebeten ein wenig leiser zu essen (was er mit nicht krumm genommen hat, er selbst hat es überhaupt nicht gemerkt).
  • Wir könnten das rücksichtslose Herumlärmen einfach in lebhaftes Kinderspielen umdeuten und uns darüber freuen, dass die Kleinen so viel Spaß an Ihrem Spiel haben. Oder wir könnten uns in die Situation der Eltern versetzen, die zwar tagsüber das Gebrüll ertragen (und zulassen) aber dafür vielleicht einen ruhigen Abend verbringen können, weil die Kleinen total erschöpft sind (würden wir selbst vielleicht ähnlich handeln?).
  • Vielleicht wechseln wir das Verkehrsmittel. Oder weniger radikal: Wir versuchen das Verhalten der anderen zu ignorieren oder mit Gedanken wie „der hatte bestimmt einen stressigen Tag“, „sie möchte bestimmt nur schnell zu ihrer Verabredung“ oder „das war bestimmt keine Absicht“ zu erklären. Unterstellen wir doch erst einmal positive Motive: Er/sie macht uns auf einen Fahrfehler aufmerksam und wir sollten dankbar sein. Oder er erkennt nicht, dass er so eng auffährt, vielleicht hat er seine Brille vergessen (ok, ok, das war ein Scherz).

Das Prinzip dahinter ist, dass wir potentiell stressigen, negativen und extrem nervenden Situationen Erklärungen, Gedanken- und Verhaltensmuster abrufen, die eine Situation entspannen. Und der Trick ist: Ohne, dass dafür der andere mitspielen muss.

2 Kommentare

  • Gut gemein, aber irgendwann sind wir nur noch dabei, uns wegzusetzen, aus dem Raum zu gehen, uns Alles schön zu reden, kein Verkehrsmittel zu benutzen…….

    • Stimmt, mir begegnen fast täglich im öffentlichen Raum rücksichtslose Menschen. Auch ich habe es satt, immer wieder die psycho- sozialen Defizite solcher Individuen zu übergehen.

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