Siegt Digital?

Christian stellt in einem Posting auf Notizbuchblog.de die Frage, ob das Digital siegen könnte.

Diese Frage finde ich sehr interessant. Vor allem weil dieses Thema auch für Planungsinstrumente von Bedeutung ist.

Analog vs. digital

Angeblich wird beobachtet, dass die Geduld der Menschen immer weiter abnimmt. Kaum jemand möchte sich die Zeit nehmen ein Fachbuch wirklich durchzuarbeiten, man erwartet heute mundgerecht zurechtgeschnittene Informationshäppchen.

Das kann man im Alltag durchaus beobachten. Wer nimmt sich denn wirklich noch die Zeit ein Thema gründlich zu verstehen? Tendieren wir nicht alle dazu im Internet nach einer schnelle Lösung zu suchen, ohne die Ursachen überhaupt zu verstehen?

Kurz und knackig

misocrazy bei Flickr

misocrazy bei Flickr

Ich glaube deshalb, dass dieser Trend leider wahr ist. „Leider“ weil ich kein großer Freund von Symptombehandlung bin.

Und das hat ganz praktische Gründe: Nur wer auch die Ursache verstehen kann, kann neue Behandlungen entwickeln. Jemand, der nur die Behandlungen auswendig lernt, kann diese schwer oder gar nicht auf neue Situationen übertragen. Ich bin faul und möchte nicht ständig neue Lösungen suchen – also bemühe ich mich um die Grundlagen.

Klassischer Roman

Nicht nur bei Sachthemen stellt man diesen Trend fest. Auch bei Romanen, die klassischerweise nicht zweckgebunden gelesen werden (außer vielleicht noch in der Schule). In den Rezensionen beim größten Onlinebuchhändler ließt man immer wieder, dass sich Leser über die Länge eines Romans beschweren oder die gedankliche Ebene als unwichtig für die Handlung kritisieren. Also im Grunde genau das gestrichen haben wollen, was ein gutes Buch ausmacht: Die Eben der Dinge, die nicht gesagt werden.

Das ist eine traurige und entmutigende Entwicklung. Als Autor muss man heute scheinbar möglichst fokussiert arbeiten – selbst in der Prosa. Weil der liebe Konsument keine Zeit mehr aufwenden möchte (ja ich weiß, dass der Konsument stattdessen lieber „keine Zeit mehr hat“ sagt – was aber unwahr ist).

Handschriftliches

kevinzim bei Flickr

kevinzim bei Flickr

Und damit wieder zurück zum Aufhänger dieses Artikels, das Posting im Notizbuchblog. Christian wirft dort die Frage auf, ob wir uns überhaupt noch die Zeit nehmen, um bewusst langsam unsere Gedanken mit der Hand zu notieren. Ob wir uns trauen den Gedankengang festzuhalten – und nicht nur die „perfekte“ Lösung. Wir also den Weg zum Ziel begleiten statt uns nur noch auf das Ziel zu fokussieren.

Ich finde diese Fragen berechtigt. Driften wir doch nach und nach in die Fastfood-Welt – sogar im Kopf.

3 Kommentare

  • In der HAZ (Hannoversche Tageszeitung) war zur CeBIT eine Karrikatur. Ein Verkäufer zu zwei Kunden vor einem Verkaufstisch. „Superflach, extrem bedienerfreundlich, und 100% virenfrei …!!!“ Auf dem Tisch ein leeres Blatt Papier mit einem Kugelschreiber :-))
    Ich persönlich habe schon früh den Computer geliebt 😉 weil ich oft meine eigene Schrift selbst nicht mehr lesen kann und mir die Hand nach kurzem Schreiben weh tut. Und ich schreibe deshalb gerne auch längere Texte am Computer. Aber meine Termine stehen inzwischen wieder in einem Papier-Taschenkalender, die Einkaufsliste jeweils auf einem kleinen Zettel und für alle Planungen gönne ich mir die Freiheit eines leeren Blattes 🙂 Massenware von Büchern auch gerne als eBook, spart den Weg zur Altpapiertonne. Aber Bücher, die ich gerne öfter lese, schmücken das Bücherregal (und benötigen keine Cloud, keinen eBook-Reader, kein dauerndes Aufladen, …).
    Die Welt verändert sich nun einmal, aber man muss halt für sich selbst entscheiden, was einem wichtig und was für einen richtig ist. Und was man sich leisten kann und will. Auch ein iPad macht letztlich nicht glücklich.
    Und zu einem Trend habe ich auf der CeBIT keine einzige Antwort gefunden: zu dem Trend, dass immer mehr Menschen auch in diesem Land immer weniger verdienen. Und an dem Sieg des Digitalen immer weniger teilhaben können, auch wenn sie es denn wollen.

  • In der Vergangenheit hatte ich auf vier verschiedenen, digitalen Geräten an mehreren Tagen unterschiedliche Termine. Dann kam, wie es kommen musste: Ein wichtiger Termin konnte nicht wahrgenommen werden, weil ich ihn einfach übersah. Da fragte ich mich: „Was machst Du da eigentlich???“ Das durfte nicht noch einmal passieren. Also kaufte ich mir einen hochwertigen Kalender und einen schönen Füller dazu. Denn Kugelschreiber zerstören ja bekanntlich die Handschrift. Meine war nie gut, aber es wird jetzt langsam besser. Zuerst wurde ich ja mitleidig belächelt. Im IT-Bereich arbeiten und dann so’n blöder Kalender. Und Notizen per Hand – wie rückständig. Aber mittlerweile sehe ich immer mehr Kollegen mit Kalendern und Notizblöcken herumlaufen. Und alle „Aussteiger“ sind total glücklich damit. Denn es macht ja auch Spass damit zu arbeiten. Kein Hochfahren des PCs, kein Warten, bis das ein Handy wieder aufgeladen ist. Einfach nur reinschauen, fertig.
    Und wenn ich die Prüfungsarbeiten unserer Auszubildenden kontrolliere, sehe ich, wohin uns eine Rechtschreibprüfung einer sehr bekannten Software bringt: 360 Fehler auf 40 Seiten sind leider keine Seltenheit.
    Man darf sich nicht zu sehr auf die digitalen Medien verlassen und nicht aufhören, die größte Festplatte zu benutzen, die bereits fertig eingebaut und immer betriebsbereit ist: Das eigene Gehirn.

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