Zeit und Energie sparen – durch Selbermachen

Was auf den ersten Blick vielleicht paradox klingt:

durch das Selbermachen vieler handwerklicher Dinge können Sie erheblich Zeit und Energie sparen!

Zeitsparen: wie soll das gehen?

Ich habe in der letzten Zeit festgestellt, dass mein Anspruch und das gebotene Angebot in Geschäften häufig weit auseinander liegt. Mal wird ein zu hoher Preis aufgerufen, mal wäre die Anschaffung ein (fauler) Kompromiss.

Auf diese Weise habe ich viel Zeit für das Stöbern in verschiedenen Geschäften investiert, ohne eine für mich passende Lösung zu finden.

Das betrifft kleinere Möbelstücke, Bilderrahmen und – so ungewöhnlich das auch klingt – ein Kratzbaum für die Katze.

Energie sparen: wie soll das gehen?

Ich weiß nicht, ob Sie das kennen. Sie suchen stundenlang nach passenden Objekten, sind immer wieder genervt davon, wenn Sie sich „abgezockt“ fühlen und müssen Ihre Pläne immer wieder überdenken, weil es schlicht nicht das perfekt Passende gibt.

Das kostet Energie. Und zwar reichlich. Denn es ist negativer Stress: eine Drucksituation, die überwiegend von anderen (Angebot) verursacht wird und wegen der Sie Ihre eigenen Bedürfnisse (Nachfrage) zurückstellen müssen. Und nicht immer können Sie Ihre Bedürfnisse so ohne größere Mühe an das vorhandene Angebot anpassen.

Das kann auch nicht im Sinne des Erfinders sein. Im klassischen Selbstmanagement wird diesem Bereich zwar viel Aufmerksamkeit gewidmet und die gängigen Methoden wie „Klosteraufenthalte“ oder „Meditation“ sind sicher gut gedacht, aber sind nicht in jedem Leben so zu integrieren, wie es nötig wäre.

Ich glaube: Sie haben es zu einem Teil selbst in der Hand. Schaffen Sie sich einen Ausgleich. Nachfolgend ein paar Ideen dazu.

Möbel

Bei den Möbeln war oft der Preis ein Problem. Ich bin einfach nicht bereit für überschaubare Qualität und/oder nicht mindestens 95% passender Maße mehrere tausend Euro zu bezahlen. Auch scheine ich nicht sehr modern zu sein – die Farbauswahl rangiert bei mir leider häufig nicht dort, wo ich mir ein angenehmes Wohnklima vorstelle.

Ich habe gefühlte 15 Möbelhäuser und unzähliche Kataloge abgesucht. Da waren durchaus mal einzelne Stücke dabei, die mir gefallen hätten – aber ich konnte sie nicht mit anderen Stücken kombinieren. Ich möchte beispielsweise einen dunklen Parkettboden und sich dazu absetzende Echtholzmöbel haben. Scheinbar eine Unmöglichkeit, aktuell gibt es fast nur graue oder dunkle Echtholzmöbel, da müsste ich aber den Boden kontrastieren. Das will ich aber nicht.

Die Frage nach der Beauftragung eines professionellen Möbelbauers hat sich durchaus gestellt – wurde aber schnell nach einer groben Kalkulation wieder verworfen: hier hätte ich definitiv jedes Budget gesprengt. So leid es mir auch tut – aber ich muss das zu investierende Geld erst einmal verdienen.

Also fiel die Entscheidung mich in den nächsten Monaten in diesen Themen weiterzubilden und nach und nach die notwendigen Ausgaben für Maschinen und Material zu tätigen. Grob über den Daumen würde ich für die gewünschten (Kompromiss-)Echtholzmöbel deutlich über 10.000 EUR bezahlen – da bleibt genug Spielraum für Investitionen und sogar für den einen oder anderen Auftrag an Profis. Die hier investierte Zeit nehme ich von meiner Freizeit, fakturierbare Zeit werde ich nicht umwidmen.

Mal ganz abgesehen davon betrachte ich die Beschäftigung mit Dingen, die mir Freude machen und von denen ich überzeugt bin, nicht als Zeitverschwendung sondern als „Zeitsparen“ – denn unterm Strich zahlen sich diese Beschäftigung auch in den Bereichen aus, wo ich fakturierbare Zeit unnötigerweise mit Erschöpfung, Genervtsein und Niedergeschlagenheit verbringen/verliere. Ich gehe nicht ins Sportstudio, um einen Ausgleich zum Beruf zu haben, ich investiere Zeit in andere Ausgleichs“sportarten“.

Bilderrahmen

Die bisher genutzten Bilderrahmen im Wohnzimmer haben mich erheblich Nerven gekostet. Ich habe diese nicht wirklich preiswert in einem schwedischen Möbelhaus erstanden – und war so „frech“ und habe diese teilweise an den Ecken aufgehangen. Die Rahmen sind nach wenigen Wochen bereits völlig aus dem Leim gegangen und die „Holz“-Elemente haben sich gebogen. Das ist nicht nur bei den auf Eck aufgehangenen passiert, sondern auch bei den ganz normalen. Die Gehrungen sehen auf den ersten Blick auch gut aus – sind aber getackert und ein schiefer Blick reicht diese Gehrung aufzureißen.

Also habe ich mich in den Weihnachtsferien in den Keller gesetzt und mit einem Dremel und passendem Zubehör meine ersten eigenen Bilderrahmen gebaut. So sahen die auch aus – aber ich war (und bin!) damit sehr zufrieden und habe mir hinterher oft gedacht, dass die investierten Stunden jede Minuten wert waren: ich habe mir unterm Strich viel Ärger und viel Nerven gespart. Als ich das bemerkt habe, habe ich in größere Maschinen investiert.

Die nächsten Rahmen waren innerhalb einer Stunde geschnitten und lasiert.

Bei 10 Rahmen habe ich einen Maschinenanteil pro Rahmen von 25 EUR und Materialkosten (Buchenleisten, Lasuranteil, Pinsel) von etwa 12 EUR. Also hat mich jeder Buchen-Echtholz-Rahmen 37 EUR gekostet. Das ist vielleicht nicht so günstig wie im schwedischen Möbelhaus, aber wenn ich sowohl Nerven als auch Bauqualität (ja die sind wirklich für die Ewigkeit) betrachtet, jeden Cent locker dreimal wert.

Die investierte Zeit betrachte ich nicht als „Stressfaktor“ oder „Kostenfaktor“. Denn ich habe nur die Zeit investiert, die ich sowieso nicht fakturieren könnte – meine Freizeit.

Aber ich spare in Zukunft das frustrierende Suchen nach genau dem passenden Rahmen, spare mir längere Diskussionen über den Schrott an der Wand und kann darauf vertrauen, dass die Rahmen für die nächsten Jahre halten werden. Die investierten Stunden (und das investierte Geld) werde ich vermutlich innerhalb eines Jahres wieder „hereingeholt“ haben – ich habe Zeit gespart, auch wenn es auf den ersten Blick überhaupt nicht danach aussah.

Kratzbaum

Wir haben vor ein paar Tagen eine neue Mitbewohnerin aus dem Tierheim geholt. Micki die Katze.

Katzen brauchen bekanntermaßen im Grunde mindestens drei Dinge:

  • Katzenklo
  • Näpfe für Wasser, Nass- und Trockenfutter
  • Kratzbaum

Als ich mich auf dem Markt umgesehen habe auf der Suche nach passendem Katzenklo und Kratzbaum, sind mir zwei Dinge aufgefallen:

  1. Katzenklos sind fast immer hässliche Plastikkisten und müssen gut versteckt werden.
  2. Kratzbäume in der von mir gewünschten Art und Optik sind teuer und fühlen sich beim Wackeltest vor Ort nicht sonderlich robust an.

Also fiel auch hier die Entscheidung diese Dinge selbst zu bauen.

Das Katzenklo war an einem Samstagnachmittag gebaut. Mit schönen Gehrungen als Kiefernhölz mit einer optisch schönen Öl-Behandlung (das Öl zieht komplett ein und ist „kindersicher“). Den Innnebereich habe ich mit dicker Folie gegen Feuchtigkeit geschützt. Sieht top aus, war nicht viel Arbeit und hat mich ziemlich genau 10 EUR gekostet (… und ich habe noch viel Material übrig für zukünftige Projekte).

Der Kratzbaum ist noch in der Planung, wird aber wirklich gut zu unserem Wohnzimmer passen. Er ist locker 1,90m hoch und hat insgesamt 4 Etagen mit verschiedenen Plateous und Spielgelegenheiten.

Ich habe wieder einmal festgestellt, dass ich die vielen Stunden Suche hätte einsparen und sofort „selbstmachen“ sollen. Hätte mir auf Anhieb besser gefallen und ich hätte mir einiges an Zeit und Nerven gespart (im Samstagtrubel Einkaufen gehört für mich ebenfalls zu den Stressfaktoren).

Auch hier werde ich erst einmal Zeit investieren – aber diese Zeit locker wieder einsparen durch Zufriedenheit, Haltbarkeit und gutem Gefühl.

Fazit

Damit das nicht falsch verstanden wird: ich habe keineswegs große Vorbehalte gegen professionelle und gegen Geld arbeitende Handwerker, die die beschriebenen Arbeiten sicher deutlich besser und schneller erledigen können.

Ich suche in meinem Leben aber immer nach Gelegenheiten, wie ich ein möglichst breit aufgestelltes und ausgeglichenes Leben führe. In meinem aktuellen Lebensabschnitt hat das Einsparen von Nerven und Zeit hohe Priorität. Ich bin einfach nicht mehr länger bereit mich dem Druck dessen zu beugen, was als modern oder ästhetisch definiert wird. Es geht hier immerhin um meine Privatsphäre.

Mal ganz abgesehen davon: mein Hauptberuf ist sehr technisch/analytisch. Die Beschäftigung mit natürlichen Materialien und ungewohnter Handarbeit hat für mich etwas von „Zen“ (= mein(?) Wort für Entspannung) – ich kann mich beim Schleifen und Lasieren wirklich entspannen. Weil ich es in Ruhe angehe, mir selbst keine unnötig knappen Zeitvorgaben mache und genau weiß, dass ich mit dem Ergebnis hinterher sehr glücklich sein werde. Kleinere Rückschläge auf dem Weg dahin nehme ich mit Gelassenheit und verbuchen Sie unter „die investierte Zeit war den Spaß dabei locker wert“.

Versuchen Sie das doch mal. Vielleicht ist für Sie das Basteln von Dekoration besser geeignet. Oder Sie schleifen mal wieder die Gartenmöbel ab, um den kommenden Sommer in einer schöneren Atmospähre zu verbringen. Oder Sie bauen Ihren Hasen einen eigenen Stall, der genau so gebaut ist, wie Sie das möchten.

Ist das was für Sie? Finden Sie diese Gedanken total abwegig – oder können Sie es nachvollziehen?

8 Kommentare

  • Pingback: my-tag » Zeit und Energie sparen – durch Selbermachen | Orga dich

  • Hi Mirko,
    kurze Frage bietest Du auch Deine Katzenklos zum Verkauf an und hast UD vllt. auch ein paar Bilder, damit man diese auch ansehen kann?
    Freue mich über Dein Feedback.

    LG, Sebastian

    P.S.: Was ist denn die Micki für eine Rasse?

    • Hallo Sebastian,
      ich verkaufe das Katzenklo nicht und Bilder gibt es davon auch erst einmal nicht. Vom Kratzbaum aber vielleicht 😉
      Vg,
      Mirko

      P.S. Die Rasse… gute Frage. Ist aus dem Tierheim, so eine klassische graue Katze…

  • Selber bauen ist gerade auch dann billiger, wenn man nicht zu zig Geschäften fahren muss und somit auch noch die Spritkosten spart. Amazon sei Dank bekommt man ja alle Geräte online…und selbst das Holz kann man inzwischen online bestellen.

    • Genau so ist es – allerdings muss man sich schon ein bisschen Mühe geben:
      – den preiswerten (NICHT unbedingt billigsten) Anbieter finden
      – Erfahrungsberichte anderer Nutzer sammeln und abwägen
      – Ggf. Informationen über den Händler einholen bzgl. Rückgabeverhalten und anderes
      Das sollte aber im Grunde sowieso selbstverständlich sein.

      Wenn jemand vor Ort einen guten Händler hat, spricht übrigens gar nichts dagegen diesen auch zu nutzen 😉

  • Hallo!

    Wir haben vor kutzem für unsere Kleine einen Deckenkratzbaum gekauft, zwar einen schönen und auch relativ großen. Da ist eine Seite, wo man alle Anbieter dafür finden kann.

    Liebe Grüße,
    Marie

  • Pingback: http://www.itweb7.com/business/easy-goods-transport

  • Wie Jennifer schon sagt, kann man mit selbauen doch eine Menge sparen. Wir haben grade relativ unkompliziert einen Kartzbaum gebastelt. Haben die Materialkosten etc mal durchgerechnet und stehen günstiger da als bei einem vergleichbaren aus dem Laden. Es lohnt sich also wirklich

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.