Ihr Leben!

“Your time is limited, so don’t waste it living someone else’s life.”. Auf Deutsch: “Ihre Zeit ist beschränkt also verschwenden Sie sie nicht damit das Leben eines anderen zu leben.“

Dieses recht bekannte Zitat vom leider verstorbenen Steve Jobs hat es in sich.

Recht hat er!

rebirth von inacentaurdump bei Flickr

rebirth von inacentaurdump bei Flickr

Beim ersten Lesen klingt das doch uneingeschränkt vernünftig:

  • Das tun, was wir selbst wollen.
  • Hinter unseren Entscheidungen stehen können, weil es die Entscheidungen sind, die wir für richtig gehalten haben.
  • Ohne Schuldzuweisungen an andere leben können, weil niemand an irgendetwas Schuld hat außer wir selbst.
  • Unabhängig vom Urteil anderer handeln und leben.

…aber…

Ich behaupte aber, dass eine kurze Zeit nach dieser ersten wohltuenden Einsicht auch die Bedenken kommen:

  • „Das kann nur jemand behaupten, der finanziell ausgesorgt hat.“
  • „Ich bin nicht so gut wie er, ich werde viele Fehler machen.“
  • „Ich habe doch keine Ahnung, was ich eigentlich genau möchte.“
  • „Aber was ist mit dem Urteil meiner Eltern, meines Partners, meiner Freunde – soll ich deren Meinung übergehen?“
  • „Gute Freunde sind auch gute Ratgeber, vielleicht ist es für mich klüger hier zuzuhören.“

Naturgemäß kann ich nicht sagen, was Mr. Jobs darauf antworten würde. Aber ich wette, dass er mit diesem Satz keineswegs sagen wollte, dass wir als ignorante Egoisten in der Welt auftreten sollen. Ich denke es ist ungefährlich zu behaupten, dass er ebenfalls Freunde und Geschäftspartner hatte. Dass er in irgendeiner Form von nachbarschaftlichen Verpflichtungen gebunden war und Verantwortung für andere übernommen hat.

Gedankenspiele

Als ich diese Worte vor vielen Monaten zum ersten Mal gehört habe, sind diese an mir recht spurlos vorbeigegangen. Ich habe den größeren Wert dahinter zunächst nicht erkannt.

Vor ein paar Tagen bin ich dann aber erneut über dieses Zitat gestolpert und es hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Schwer zu sagen wieso ausgerechnet momentan.

Aber ich habe mir dann gedanklich ein paar Fragen gestellt, vielleicht möchten Sie das auch versuchen bzw. möchte mir dabei folgen. Nachfolgend ein paar Unsicherheiten aus meinem eigenen Leben. Anschließend dann Fragen, die Sie zum weiteren Andenken anregen sollen.

Wieso habe ich so große Bedenken einen (zweiten) Hund anzuschaffen?

Ich liebe doch Hunde, ich investiere gerne die Zeit in die Erziehung, ich verbringe gerne meine Zeit mit diesen Tieren. Ich schätze die bedingungslose Zuneigung und das große Sozialbedürfnis. Kompromisse beim Urlaubmachen oder Freizeitverhalten sind für mich völlig im Rahmen.

Aber einige aus unserem Umfeld mischen sich ständig in alles ein. Wir werden wieder große Diskussionen hören und viele objektiv richtige Argumente. Ein Tier kostet Geld, macht Arbeit, macht Dreck, braucht Erziehung, schränkt ein. Es gab beim ersten Hund doch schon so großen Ärger.

Was möchte ich? Was wäre mein Leben? Was kann ich tun?

Ich möchte einen zweiten Hund, der genau so wunderbar ist wie unsere Hündin Josie. Ein Leben im Kreis eines kleinen Rudels finde ich angenehm, die Wärme, die von dieser Gemeinschaft ausgeht, gibt mir Kraft und Ruhe.

Ich kreiere gerne eigene Kosmetik und Düfte.

Es macht mir Spaß zu wissen was in meiner Körperpflege enthalten ist. Ich mische gerne Dürfte zusammen, die individuell sind. Ich mag es nicht hunderte von Euro für Dinge auszugeben, die ich auch selbst herstellen kann, wenn ich die nötigen Rohstoffe habe.

Aber es ist mir irgendwie unangenehm. Ich bin ein Mann, wie kann ich nur gerne Cremes rühren und meine eigenen Deos mischen. So wirklich stolz darauf kann ich auch nicht sein, weil ich das ja nie gelernt habe, es überhaupt nicht können sollte und ich mir die Frage stellen lassen muss nach dem „warum denn?“.

Was möchte ich? Was wäre mein Leben? Was kann ich tun?

Ich möchte stolz darauf sein, dass ich mich mittlerweile ganz gut mit den Inhaltsstoffen auskenne und mir einige gute Produkte gelungen sind. Wir nutzen die eigenen Kreationen täglich und viele Hautprobleme haben sich gelöst. Außerdem fühlen wir uns besser.

Wieso fühle ich mich schuldig, dass ich Besitzer von ungefähr 50 Planungsinstrumenten bin?

Ich liebe hochwertige Notizbücher, Lederplaner, Stifte, Zettel, Einlagen und generell Bürozubehör. Man könnte sagen ich bin ein Freak. Ich besitze mehrere Tacker, Locher, Hefter, Spezialfolien, Klebezettel, Hüllen… Sie können mir bestimmt folgen. Ganze Schränke voll – einschließlich Dutzender (teilweise nicht genutzter) Hängeregisterschränke, Mappensysteme und vieles mehr.

Aber ich verstecke diese Dinge. Weil ich mich total blöd fühle, dass ich so viel Geld dafür ausgegeben habe und Angst davor habe, dass jemand sagen könnte „dafür hast du Geld, aber die Fußleisten im Wohnzimmer fehlen immer noch“. Ich habe Sorge, dass mir jemand meine objektive Unvernunft vorwerfen könnte, meine nach außen hin seltsamen Prioritäten.

Was möchte ich? Was wäre mein Leben? Was kann ich tun?

Ich möchte eine beleuchtete Vitrine im Wohnzimmer aufstellen, in der ich meine Sammlung an Lederplanern und Notizbüchern ausstellen kann. Außerdem möchte ich ein festes monatliches Budget einrichten.

Ich möchte anderen Menschen in ihrem Selbstmanagement helfen.

Seit Jahren beschäftige ich mich mit den Themen Zeit- und Selbstmanagement. Informiere mich auch regelmäßig in diversen Publikationen. Aber ich bin häufig nicht mit den geäußerten Standpunkten einverstanden. Ich möchte mein Wissen und meine Erfahrungen weitergeben, vielleicht kann ich jemandem damit helfen. Ich möchte zukünftig hier auch Dienstleistungen anbieten.

Aber es gibt so viele erfolgreiche Blogs, die viel geschickter in der Selbstvermarktung sind. Die die richtigen Leute kennen, verlinkt werden. Die den Mainstream besser erkennen und populär sind.

Was möchte ich? Was wäre mein Leben? Was kann ich tun?

Ich möchte ein Blog schreiben, auf dem ich wöchentlich einen fachlich passenden Artikel veröffentliche. Außerdem möchte ich Bücher schreiben. Mir würde es erst einmal reichen, wenn ich kostendeckend arbeiten kann.

Fragen für Sie

Nehmen Sie nachfolgende Fragen oder Feststellungen als Anregung Ihre eigenen „Schwächen“ zu finden und gegebenenfalls passende Antworten zu entwickeln.

  • Wieso machen Sie einen Job, der Sie nicht erfüllt?
  • Sie lieben Shoppingtouren.
  • Sie finden Ihren Garten chaotisch viel schöner als englisch gepflegt.
  • Wieso fragen Sie sich ständig danach, was andere zu Ihren Entscheidungen sagen?

5-Stufen-Plan

Unsicherheiten zu besiegen ist nicht einfach. Auch Sätze wie „lass dich doch nicht von anderen beeinflussen“ oder „was kümmert mich die Meinung anderer“ sind wenig motivierend, weil sie das Problem komplett verharmlosen.

Viel hilfreicher aus meiner Sicht ist eher folgende Vorgehensweise:

  1. Gestehen Sie sich ein, dass auch Sie nicht völlig unabhängig vom Urteil anderer sind.
  2. Formulieren Sie, was genau eigentlich das Thema ist. Ein Satz oder eine Frage.
  3. Beschreiben Sie, was Sie daran so gut finde, welche positiven Gefühle Sie damit verbinden und was es Ihnen unterm Strich „gibt“.
  4. Anschließend beschreiben Sie, was Ihre Bedenken sind. Was sagen andere, wer sagt es. Hinterfragen Sie bitte nicht deren Motivation (das wäre sowieso nur ein Ratespiel).
  5. Dann fragen Sie sich „Was möchte ich? Was wäre mein Leben? Was kann ich tun?“ und beantworten Sie diese Fragen ohne Differenzierung: Führen Sie keine Pro-Contra-Diskussion! Gehen Sie ganz egoistisch vor, seien Sie einseitig – sehen Sie das als Gegenpol zu den „Angriffen“ der Bedenken.

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss:

Auch wenn Sie selbst Ihren Weg gehen und Ihr eigenes Leben führen sollen, so ist das kein Freibrief für das Ignorieren der Bedürfnisse anderer. Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen bzw. über die Konsequenzen des eigenen Handelns nachzudenken und ein selbstbestimmtes Leben zu führen schließen sich nicht gegenseitig aus!

2 Kommentare

  • Toller Artikel, chapeau!

    Das mit den Büromaterialien teile ich übrigens – ich habe einen ganzen Schrank mit allem, was man sich denken kann in dieser Hinsicht.

    Das mit dem Bücherschreiben geht übrigens unproblematischer als mancher denkt. Meld dich gerne bei mir, wenn du noch nicht von mir gehört hast, wie es bei mir geklappt hat.

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